Die Quadratur des Kreises
Geschrieben von wildalligator am September 19 2017 10:39:49
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Trotz großer Sorgen auf einer elementaren Position gewinnt der HC Aschersleben sein Heimspiel gegen den HSV Apolda und meldet sich zurück.
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VON TOBIAS GROSSE

Trotz großer Sorgen auf einer elementaren Position gewinnt der HC Aschersleben sein Heimspiel gegen den HSV Apolda und meldet sich zurück.

ASCHERSLEBEN/MZ - Die Hiobsbotschaft kam am Samstagmorgen. Frank Seifert jr., am Abend zuvor noch Topfit beim Abschlusstraining des HC Aschersleben zugange, hatte es erwischt: 39 Grad Fieber, Bettruhe.
Mit zitternder Stimme überbrachte der 28 Jahre alte Abwehrchef die Nachricht an seinen Vater, Frank sr., Co-Trainer des HCA.
Der überlegte einige Momente, und entschied sich, erst einmal stillschweigend damit umzugehen und allen, auch dem Trainer Dmitry Filippov, erst zum Treff zur Partie gegen Apolda bescheid zu geben.
„Ich dachte, es reicht, wenn Dima sich eineinhalb Stunden den Kopf zermatert“, sagte Seifert nach der Partie.
Er lachte darüber, die Alligators hatten den HSV Apolda gerade mit 30:25 geschlagen.

Weber überragt
Aschersleben hat am Samstagabend im Ballhaus einen wichtigen Sieg gefeiert. Es war der erste in der noch jungen Saison in der Handball-Oberliga, nach dem es zum Start zwei Pleiten gab.
Und das ohne Seifert jr., der als Kreisläufer Nummer eins vorgesehen ist und dazu der wichtigste Mann in der Abwehr ist.
„Im ersten Moment war das ein Schock“, gab Nicolas Berends nach dem Spiel zu. Der 20-jährige Rückraumspieler ackerte trotz angerissenem Band im linken Knöchel fast 60 Minuten durch.

Vor allem in der Abwehr machte der HCA um Clemens Grafenhorst, Alexander Weber und Nicolas Berends (schwarz, von links) ein starkes Spiel.
Foto: oliver harloff


Schwer in die Partie gefunden
Der HC Aschersleben fand zunächst schwer in die Partie, man merkte dem Team von Filippov den durchwachsenen Saisonstart recht deutlich an. „Aber wir sind mittlerweile als Mannschaft so gefestigt, da zweifelt keiner“, sagte Berends.
Der HCA bäumte sich nach einem 0:3 auf, kam dank einer starken Abwehr um den hinten bockstarken zweiten Aushilfskreisläufer Alexander Weber besser ins Spiel - und bewies eine These, von Clemens Grafenhorst nach dem Abpfiff getroffen: „Wir können kämpfen!“

Grafenhorst war Sieggarant
Grafenhorst war am Samstagabend einer der wichtigen Sieggaranten. Der 23-jährige Linkshänder war mit acht Toren mit Carsten Kommoß (drei Siebenmeter) bester Schütze des HCA.
Und das, nachdem er in der Vorwoche in Freiberg gerade einmal einen von acht Würfen traf.
„Das Team und Dima machen machen es mir leicht“, sagte Grafenhorst, „sie glauben immer an mich.“ Der Rückraumspieler ist mit seiner vorhandenen Qualität enorm wichtig für Aschersleben - wenn er funktioniert. So wie am Samstagabend im Ballhaus.

Stark auch in der zweiten Hälfte
Der HCA hat nach seiner 14:11-Führung zur Pause in der zweiten Hälfte stark weiter gemacht und sich bis zur 50. Minute auf 25:18 abgesetzt und die Partie entschieden.
„Wir wussten ja, dass wir es können“, sagte Clemens Grafenhorst. Trotz Pleiten, trotz Seifert-Ausfall. Es war quasi die Quadratur des Kreises.

„Müssen das bestätigen“
Mit dem Sieg haben sich die Alligators ein wenig freigeschwommen und den kompletten Fehlstart verhindert. Und sie haben bewiesen, dass es ohne Neuzugang geht, wobei die Kreisläufer-Suche zwingend weitergehen muss. Zumal, „wir das jetzt noch bestätigen müssen“, so Grafenhorst, um aber anzufügen: „Man hat gesehen, Asche lebt noch.“

HCA: Gudonis, Stein; Kommoß (8/3), P. Seifert (4), S. Berends (1), Kaufmann, Wartmann (1), Filippov (1), Grafenhorst (8), N. Berends (4), Weber (2), Nupnau (1)


Premierentor
Handballer haben ja auch eigene Gesetze. Vor allem, wenn es um das 30. Tor geht. Derjenige, der den runden Treffer erzielt, muss an die Mannschaft meistens eine Kiste Bier ausgeben. Und das 30. Tor für den HCA am Samstagabend war ein besonderes.
Florian Nupnau, der vor der Saison aus dem Nachwuchs hochgezogen wurde, absolvierte gegen Apolda sein erstes Heimspiel für Aschersleben - und erzielte mit dem 30. Tor seinen erstes Treffer für den Oberligisten. Da werden wohl einige Biere folgen müssen.
(mz)