Kapitel eins
Geschrieben von wildalligator am Februar 26 2018 13:03:02
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Der HC Aschersleben gewinnt ohne seinen Cheftrainer deutlich beim HC Burgenland. Wer die Rolle vom erkrankten Dmitry Filippov dabei ausfüllt.
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HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

Der HC Aschersleben gewinnt ohne seinen Cheftrainer deutlich beim HC Burgenland. Wer die Rolle vom erkrankten Dmitry Filippov dabei ausfüllt.

ASCHERSLEBEN/MZ - Würde Martin Wartmann irgendwann ein Buch über sich schreiben, hätte er – Stand jetzt – schon ein bisschen zu erzählen. Der 34-jährige Handballer des HC Aschersleben stammt aus einer kleinen Handball-Dynastie und hat in den letzten 15 Jahren selber eine beachtliche Laufbahn auf die Platte gelegt. Wartmann hat viele Jahre in der zweiten Liga beim SV Anhalt Bernburg gespielt, dort viele Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber auch in Aschersleben, wo er mittlerweile seit 2013 spielt, hat er bereits Abstiege, Fast-Abstiege und Vize-Meisterschaften miterlebt. Am Samstagabend kam jetzt ein neues Kapitel hinzu: das des Trainers Wartmann.

In Hälfte zwei „passt alles“
Mit 31:24 hat der HC Aschersleben am Sonnabend beim HC Burgenland gewonnen. Martin Wartmann, der Kapitän des HCA und Kopf in der Offensive, hat dazu auf dem Feld nichts beigetragen. Er hat keine Minute gespielt.
„Ich hätte auch nicht unbedingt spielen wollen“, sagte er danach. Zwei Wochen war der Routinier zuletzt ausgefallen, da war für ihn klar: „Ich wäre nur im Notfall reingegangen.“
Zu dem kam es letztlich auf dem Spielfeld nicht, aber abseits davon. Wenige Stunden bevor der HCA in den Bus nach Naumburg stieg, meldete sich Trainer Dmitry Filippov ab. Der Doppel-Olympiasieger lag krank im Bett. Wartmann, der im Anschluss an seine aktive Laufbahn eine Trainerkarriere plant und in den zurückliegenden Jahren auch schon einige Angebote vorliegen hatte, sprang ein – und feierte bei seiner Premiere an der Seite einen in dieser Höhe nicht erwarteten Sieg.

Carsten Kommoß (r.) und der HCA konnten sich nach dem Spiel verdiente Glückwünsche vom HC Burgenland abholen.
FOTO: TORSTEN BIEL


Die erste Hälfte war nach der Partie für Martin Wartmann schnell analysiert. „Wir waren noch nicht richtig da“, meinte der Aushilfstrainer, „die Abläufe haben nicht gestimmt.“ Aschersleben konnte trotz alledem immerhin in Schlagdistanz bleiben und lag zur Halbzeit nur mit zwei Toren zurück (12:14).
Die zweiten 30 Minuten sahen dann schon anders aus. „Da“, sagte Wartmann, „hat dann alles gepasst.“ Insbesondere von der 35. Bis zur 53. Minute, als die Alligators dank eines 12:3-Laufs einen Zwei-Tore-Rückstand (15:17) in eine klare Führung (27:20) umgewandelt und die Partie bereits vorentschieden haben. „Es ist einfach gelaufen“, so Wartmann, der fand: „Es war die konzentrierteste Leistung dieser Saison.“
Aschersleben hat offensiv seine Systeme immer bis zur klaren Torchance durchgespielt, die Abwehr stand dazu sehr sicher. Und wenn doch einmal jemand durchkam, wartete da noch ein starker Mantas Gudonis im Tor. „Burgenland“, hat Martin Wartmann beobachtet, „wurde von Minute zu Minute unsicherer, jeder hat die Verantwortung nur noch weitergegeben.“ Bei Aschersleben hingegen hat jeder – allen voran die bärenstarken Pit Seifert und Nicolas Berends – Verantwortung übernommen und dafür gesorgt, dass das Team den vierten Sieg im sechsten Spiel 2018 feierte und in diesem Jahr ungeschlagen bleibt.

„Einfachster Job“
Für Martin Wartmann selber hätte die Premiere an der Seitenlinie nicht besser laufen können. „Ich habe gerade zu den Jungs gesagt, dass ich hier heute den einfachsten Job hatte“, sagte der Kapitän nach dem Spiel, „ich habe in der zweiten Halbzeit gemerkt, dass es läuft und so war es für mich ein ziemlich ruhiger Tag.“ Es könnte so etwas wie die Überschrift vom Kapitel eins des Handballtrainers Wartmann sein.

HCA: Gudonis, Thäder; Kommoß (7), P. Seifert (8/2), S. Berends (2), Wartmann, N. Berends (10), Weber (3), Nupnau, Schmidt, F. Seifert (1)