Interview mit Dmitry Filippov: „Natürlich haben wir Druck“
Geschrieben von wildalligator am September 02 2016 12:58:05
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Wenn der HC Aschersleben am späten Samstagnachmittag in die neue Saison in der Mitteldeutschen Oberliga startet, geht Trainer Dmitry Filippov in seine insgesamt achte Saison beim Verein.
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VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Wenn Dmitry Filippov sein Füllhorn an sportlichen Erfolgen ausschütten würde, könnte man damit vermutlich einiges füllen. Er bestritt über 160 Länderspiele für Russland, wurde bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona sowie 2000 in Sydney Olympiasieger und darf sich auch Weltmeister 1993 nennen. Zudem Vize-Weltmeister 1999 sowie Vize-Europameister 1994 und 2000. Filippov hat in seiner aktiven Karriere fast alles gewonnen, was ein Handballer gewinnen kann. Und auch als Trainer kann er Erfolge vorweisen. Allen voran den Aufstieg in die 2. Liga mit Aschersleben im Jahr 2010. Am Sonnabend (Anwurf 17 Uhr) startet er beim Zwickauer HC in seine insgesamt achte Saison beim HCA. Von 2007, als Filippov seinen ersten Vertrag in Aschersleben unterschrieb, bis heute, ist viel passiert. MZ-Mitarbeiter Tobias Große sprach mit dem 47-Jährigen über seine Vergangenheit beim Handballclub Aschersleben - aber natürlich auch über die Gegenwart und Zukunft.

Wenn der HC Aschersleben am späten Samstagnachmittag in die neue Saison in der Mitteldeutschen Oberliga startet, geht Trainer Dmitry Filippov in seine insgesamt achte Saison beim Verein.
Foto: Hartmut Bösener

Herr Filippov, wie lange sind Sie eigentlich schon mit Ihrer Frau Galina verheiratet?
Filippov: Seit 26 Jahren.

Sie haben auch zwei gemeinsame Kinder, eine schöne Zeit, oder?
Filippov: Ja, natürlich.

Kann man sagen, dass Sie noch eine zweite Ehe führen - und zwar mit dem HC Aschersleben?
Filippov: (lacht) Wie eine zweite Frau, meinen Sie?

Naja, so ähnlich. Immerhin gehen Sie am Sonnabend bereits in Ihre achte Saison (2007 bis 2011 und seit 2013; Anm. d. Red.) mit dem HCA.
Filippov: Ich habe in Aschersleben meine zweite Heimatstadt gefunden, das ist klar. Aber ob der HCA meine zweite Ehe ist? Naja, noch nicht. Vielleicht nach zehn Jahren. (lacht)

Was unterscheidet denn den Dmitry Filippov von 2007, als er seinen ersten Vertrag in Aschersleben als Spielertrainer unterschrieben hat, vom Dmitry Filippov jetzt?
Filippov: Erstmal war ich damals mit 38 noch etwas jünger und es war das erste Mal, dass ich auch Trainer geworden bin. Jetzt bin ich 47. Ich habe in den neun Jahren viele neue Erfahrungen gesammelt. Und hin und wieder spiele ich zwar noch selber, aber nicht mehr so viel wie damals. (lacht)

Und wie hat sich der HC Aschersleben in dieser Zeit verändert?
Filippov: Hauptsächlich sind die handelnden Personen, vor allem natürlich in der Mannschaft, andere geworden. Von damals sind neben mir heute nur noch Komoße, Franky und Seifi (Carsten Kommoß, Frank Seifert jr. und Co-Trainer Frank Seifert sen.; Anm. d. Red.) über. Und auch so hat der Verein in dieser Zeit viel erlebt.

Wenn Sie die Zeit mal Revue passieren lassen, gibt es dann eine schönste Erinnerung?
Filippov: Ja natürlich. Das war der sehr gute Lauf, den wir in meinen ersten drei Jahren hier hatten. Wir sind im ersten Jahr in die Regionalliga (die damalige 3. Liga; Anm. d. Red.) und dann zwei Jahre später in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Leider haben wir es aber nicht geschafft, dort zu bestehen.

Im April 2007 unterzeichnete Dmitry Filippov (l., daneben der ehemalige Präsident Jürgen Arndt) seinen ersten Vertrag beim HCA.
Foto: Archiv/Gehrmann


Rückblickend: Warum eigentlich nicht?
Filippov: Zum einen lag es auch daran, weil damals aus einer Nord- und Südstaffel eine eingleisige 2. Liga gemacht wurde. Da zehn Mannschaften hinter uns zu lassen, war einfach nicht möglich. Wir hatten keine Profimannschaft, alle haben nebenbei noch gearbeitet. Das war nicht einfach für uns, denn viele andere Vereine in der 2. Bundesliga hatten mindestens zwei oder drei Profis in der Mannschaft.

Ist das die schlimmste Erinnerung, oder gibt es da eine andere?
Filippov: Die schlimmste Erinnerung ist, dass ich die Mannschaft nach so einer Saison in der 2. Bundesliga (der HCA holte in 32 Spielen nur zwei Siege und ein Unentschieden; Anm. d. Red.) verlassen musste (Filippovs Vertrag wurde im Sommer 2011 nicht verlängert; Anm. d. Red.).

Am Sonnabend starten Sie nun mit dem HCA in Ihre achte Saison. Und Sie gehen als amtierender Vizemeister in die Mitteldeutsche Oberliga. Spüren Sie da Druck?
Filippov: Natürlich haben wir Druck. Ich habe auch in der letzten Saison schon oft auf Einheit Plauen verwiesen. Die waren in der Saison davor Vizemeister und sind letztes Jahr abgestiegen. Und ich bin mir sicher, dass die Mitteldeutsche Oberliga in dieser Saison noch schwieriger ist. Es sind mit Halle und Bad Blankenburg starke Mannschaften dazu gekommen. Es gibt keine einfachen Spiele, wir müssen in jedem Spiel konzentriert sein und vor allem wenig Fehler machen. Aber es gab auch schon in der letzten Saison Spiele, in denen wir gezeigt haben, dass wir sehr gut Handball spielen können. Und das haben wir auch auswärts gezeigt. Ich denke, wenn wir es schaffen, in diesem Jahr wieder so viele Punkte zu holen wie im letzten Jahr, werden wir auch wieder oben mitspielen.

Man hört im Umfeld des Vereins auch oft den Wunsch danach, wieder in die 3. Liga zurückkehren zu wollen. Ist das möglich?
Filippov: Möglich ist es immer. Aber ich denke, wir müssten erst einmal die dafür nötige finanzielle Basis aufbauen. In der 3. Liga muss man mehr Geld investieren. Aber ich glaube auch, wenn wir am Ende der Saison auf dem ersten Platz stehen würden, würden wir es auch machen. Aber einfach ist so etwas natürlich nicht.

Vor allem wenn man bedenkt, dass Sie im Sommer mit Marcel Popa, Mindaugas Veta und Dino Spiranec wichtige Spieler ziehen lassen mussten. Inwieweit sind diese Abgänge schon aufgefangen?
Filippov: Ich hab ja schon mal gesagt, dass es uns weh tut, was passiert ist. Gut, bei Marcel Popa wussten wir frühzeitig, dass er nach Bernburg geht. Aber bei den beiden anderen tut es doch sehr weh, weil wir schon Monate vorher die Zusage hatten, dass sie bei uns in Aschersleben bleiben. Inwieweit diese Abgänge nun schon aufgefangen sind, ist eine schwierige Frage. Klar interlassen solche Spieler eine Lücke, die erst gefüllt werden muss. Clemens (Grafenhorst; Anm. d. Red.) zum Beispiel muss jetzt eine noch wichtigere Rolle im rechten Rückraum einnehmen. Er hat aber in den letzten fünf Spielen der vergangenen Saison gezeigt, dass er das kann. Wenn er diese Leistungen wieder zeigt, wäre das schon nicht schlecht.

Aber fehlt Ihnen als Trainer nicht noch ein Rückraumspieler?
Filippov: Ich denke nicht. Wir haben auf jeder Position im Rückraum zwei Spieler. Unser Vorteil dabei ist, dass wir viele Spieler haben, die variabel einsetzbar sind. Daher denke ich, dass die Positionen im Rückraum keine Probleme für uns darstellen werden.

Eine abschließende Frage: Am ersten Spieltag gastieren Sie mit Ihrer Mannschaft jetzt in Zwickau. Im vergangenen Jahr haben Sie beide Spiele gegen den ZHC gewonnen. Ihr Tipp für den Sonnabend?
Filippov: Es wird schwer, aber ich bin sehr positiv. Im Tippen bin ich allerdings nicht so gut. Wir schauen einfach mal, wer der bessere auf dem Parkett ist. (grinst) (mz)