19- und 37-Jährige gemeinsam auf dem Feld
Geschrieben von wildalligator am März 05 2017 07:02:24
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - MZ-Reporter Tobias Grosse befragte den Alligators-Kapitän Martin Wartmann zum Mannschaftsgefüge und der allgemeinen Stimmung in der Mannschaft
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MZ-Reporter Tobias Grosse befragte den Alligators-Kapitän Martin Wartmann zum Mannschaftsgefüge und der allgemeinen Stimmung in der Mannschaft

ASCHERSLEBEN/MZ - Martin Wartmann muss erst einmal noch fix einen Termin abklären, danach kann das Gespräch losgehen.
Donnerstagabend, nach der Trainingseinheit des HC Aschersleben, muss der 33 Jahre alte Kapitän seine Kontakte spielen lassen. Frank Seifert junior war gegen Ende des Trainings umgeknickt und braucht einen Termin bei einem Arzt. Wartmann, der als Physiotherapeut tätig ist, kann etwas vermitteln. „Das sah nicht gut aus“, sagt er zur Verletzung Seiferts. Wenn der HCA am bevorstehenden Sonntag ab 16 Uhr den HC Glauchau/Meerane in der Ballhaus-Arena zu Gast hat, droht der Abwehrchef auszufallen.

Beiderseitiger Respekt
Doch darum soll es in diesem Gespräch nicht gehen. Es soll um das große Ganze gehen. Um die Mannschaft des HC Aschersleben. Speziell um die Mischung im Kader, die, egal mit wem man spricht, immer als „gute Mischung“ beschrieben wird. Also Herr Wartmann, was ist denn eigentlich das Besondere an der Mischung beim HCA?
„Es ist wie in jeder Truppe“, beginnt Martin Wartmann seine Ausführung verallgemeinernd, „es gibt ein paar alte Hasen, an denen sich die Jungschen richten können.“ Wartmann spricht die gesamte Zeit über von den „Jungschen“. Er will damit nicht despektierlich klingen, sondern nur klarstellen, dass eine Hierarchie vorherrscht. „Das wissen sie auch“, erklärt der Kapitän, „der Respekt untereinander ist da.“ Und zwar nicht nur einseitig.

Der HC Aschersleben hat eine gesunde Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Moderieren muss das Ganze Trainer Dmitry Filippov (M.).
Foto: Oliver Harloff


Es werden auch Sprüche verteilt
Klar: „Es macht Spaß, auch mal einen Spruch zu verteilen“, erzählt Wartmann lachend. Oder: „Es ist wichtig, sich am Freitag im Fußball Jung gegen Alt zu beweisen.“ Aber natürlich wissen auch die erfahreneren Akteure des HC Aschersleben, wie zum Beispiel Wartmann, Mantas Gudonis (37) oder Carsten Kommoß (36), was sie an den jüngeren, wie Nicolas und Sascha Berends, Tom Kaufmann oder Andrey Filippov (alle 19) haben. „Das sind junge, wilde Leute“, so Wartmann, „sie halten auch uns ein Stück weit jung.“ Zumal sich die Mannschaft des HCA nicht nur während der 90 Minuten im Training oder den 60 Minuten im Spiel, zuzüglich Vorbereitung, sieht. „Wir bleiben ja auch danach oft zusammen sitzen, trinken ein Bier oder gehen Essen“, erzählt Martin Wartmann.
Überhaupt ist das Mannschaftsgefüge bei den Krokodilen in bester Ordnung. „Unabhängig davon, wie es sportlich läuft“, erklärt der Kapitän: „Wir sind immer eine Truppe.“ Und Martin Wartmann, der im Juli 2013 vom SV Anhalt Bernburg zum Verein kam, geht sogar noch eine Stufe weiter: „Das war auch schon damals so. Das ist das, was den HC Aschersleben mit ausmacht.“
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Punkt auch der Trainer: Dmitry Filippov. Wartmann ist es wichtig, das noch einmal explizit zu betonen. „Er lebt uns dieses Zusammengehörigkeitsgefühl auch in gewisser Weise vor“, meint der Kapitän. Filippov ist zwar schon seit vielen Jahren Trainer. „Aber im Kopf“, sagt Martin Wartmann, „ist er immer noch ein bisschen Spieler.“ Aktuell befindet sich Aschersleben unter Coach Filippov auf einer Erfolgswelle. Am Sonntag kann das Team gegen Glauchau den fünften Sieg in Folge feiern. „Die Mischung macht’s extrem aus“, sagt Kapitän Wartmann.

Aus Ehrgeiz wird Konkurrenzkampf
Denn zu der passenden charakterlichen Mischung zwischen Alt und Jung kommt die sportliche. Die jungen Spieler sind hungrig. „Sie stehen in den Startlöchern“, sagt Martin Wartmann. Und da auch die erfahrenen Akteure immer noch den nötigen Ehrgeiz mitbringen (Wartmann: „Ich will spielen, sonst brauche ich mir das nicht antun.“), entsteht beim HCA ein gesunder Konkurrenzkampf. „Die Jungschen sitzen einem im Nacken“, weiß Wartmann. Und: „Das ist auch gut so.“ Klar will der Kapitän spielen, doch er weiß: „60 Minuten kann ich zum Beispiel nicht mehr gehen.“
Die richtige Mischung ist daher umso wichtiger.
(mz)