Skrupellos?
Geschrieben von wildalligator am März 31 2017 14:02:49
HANDBALL-OBERLIGA
VON TOBIAS GROSSE

ASCHERSLEBEN/MZ - Aschersleben gastiert am Sonnabend beim abgeschlagenen Schlusslicht Hermsdorf und kann den Abstieg der Thüringer endgültig besiegeln.
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VON TOBIAS GROSSE

Aschersleben gastiert am Sonnabend beim abgeschlagenen Schlusslicht Hermsdorf und kann den Abstieg der Thüringer endgültig besiegeln.

ASCHERSLEBEN/MZ - Achtung, es klingt jetzt zu Beginn erst einmal ein bisschen martialisch. Ist aber natürlich nur bildlich gesprochen. Es gibt Menschen, die andere Menschen, die mit dem Rücken an einer Klippe stehen, in den dahinter wartenden Abgrund befördern.
Solche Menschen kann man als ziemlich skrupellos bezeichnen. An diesem Sonnabend kann der HC Aschersleben das auch sein. Also skrupellos. Aschersleben kann nämlich eine andere Mannschaft in den Abgrund namens Abstieg befördern.

Hermsdorfs Situation: aussichtslos
Aktuell hat Hermsdorf zehn Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Bei noch fünf Spielen heißt das, dass die Mannschaft jede Partie gewinnen und darauf hoffen müsste, dass die davorliegenden Teams allesamt patzen. Und das immer.
Da ist es doch um ein Vielfaches wahrscheinlicher, dass der HCA an diesem Sonnabend ab 19.30 Uhr dafür sorgt, dass das Team aus dem Holzland in der kommenden Spielzeit wieder in der Thüringenliga an den Start gehen muss. Nur, interessiert das in Aschersleben niemanden.
Wenn man Dmitry Filippov, den Trainer des HC Aschersleben, darauf anspricht, sagt er nur: „Wir fahren da bestimmt nicht hin, um ihnen zu helfen.“

Der HC Aschersleben kann am Sonnabend den ersten Absteiger aus der Mitteldeutschen Oberliga bestimmen.
Foto: Oliver Harloff


Keine Frage: Hermsdorfs Situation ist aussichtslos. Das Team, und da muss man keinen besonders guten Draht zu Hellsehern haben, wird als Tabellenletzter absteigen. Zu groß ist mittlerweile der Rückstand, zu gering auch die Qualität im Kader.
Dennoch geht Filippov nicht davon aus, dass sich Hermsdorf an diesem Sonnabend kampflos ergeben wird. „Sie werden vor allem für ihre Zuschauer kämpfen“, sagt er. Und: „Sie wollen bestimmt auch, dass es sich erst später entscheidet, ob sie letztlich absteigen müssen oder nicht.“

Nicht im Vorbeigehen schlagbar
Im Hinspiel hat der HC Aschersleben bereits gemerkt, dass man auch den SV Hermsdorf nicht mal eben im Vorbeigehen schlägt. Erst in den Schlusssekunden erzielte Jens Schmidt damals den Siegtreffer zum 34:33 für die Gastgeber.
„Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht“, gibt Dmitry Filippov zu. Und der 47 Jahre alte Trainer des HCA konnte sich vor allem an eines erinnern: „Wir haben damals in der zweiten Hälfte ihren Linkshänder nicht unter Kontrolle bekommen.“

Linkshänder ist Top-Fünf-Schütze
Dieser Linkshänder heißt Sebastian Triller und ist im rechten Rückraum einer der besseren in der Mitteldeutschen Oberliga. Im Vorjahr - noch für den HSV Apolda - war er einer der Top-Fünf-Torschützen.
Triller, und somit auch der komplette SV Hermsdorf, haben aktuell aber ein Problem. Der Linkshänder fällt seit Ende November mit einem Kreuzbandriss aus. Für die Thüringer war das gegen Ende der Hinrunde bereits eine Art Abstiegsurteil.

Serie ist zu brechen
Zumal der HC Aschersleben am Samstagabend auch eine Serie brechen möchte. In den letzten beiden Spielzeiten haben die Alligators jeweils in Hermsdorf verloren.
„Das heißt, jetzt müssen wir dort mal gewinnen“, schmunzelt Filippov, und sagt mit fester Stimme noch: „Diesmal wollen wir die zwei Zähler mitnehmen.“ Und sollte dem HCA das gelingen, hieße die Konsequenz: Hermsdorf würde abgesteigen - was sich aber, bei allem Respekt, schon über die gesamte Saison angedeutet hatte. Klingt plötzlich gar nicht mehr so skrupellos. (mz)